Erinnerung an Rolf (1942 – 2015)

von Angela Zeiler

Buchstabe an Buchstabe reihen, daraus Wörter bilden, sie in Sätze arrangieren und Geschichten entstehen lassen. Klingt so einfach. Vor einem weißen Blatt fühlt sich das aber ganz anders an. Ich wollte mehr über dieses Handwerk wissen. Deshalb studierte ich an einer Fernakademie den Schreiblehrgang “Die große Schule der Belletristik”. Nachdem ich die ersten zwölf Hefte der “Grundschule” erfolgreich beendete, sollte ich nun für den zweiten Abschnitt, der Belletristik, einen anderen Studienleiter bekommen – Rolf Bergmann. Mir war schon etwas flau im Magen, denn eigentlich wollte ich gar keinen Wechsel.

Doch es half alles Murren nichts. Meine nächste Hausaufgabe ging an Rolf. Seine Antwort überraschte und erfreute mich gleichermaßen. Er wies mich auf Schwachstellen hin und machte Vorschläge, wie ich es besser machen könnte. Dabei kritisierte er auf eine so ruhige und unaufdringliche Weise, dass ich nur zwischen meinem Text und seinem Brief hin- und herschaute und immer wieder dachte “Stimmt, da hat er recht”.

Auf der letzten Seite stellte sich Rolf vor und ich schmunzelte, als ich las, dass er ebenfalls in Dresden wohnte. Dann schrieb er mir von den Dresdner Literaturnern, einer Gruppe von Schreibinteressierten, die sich über das Forum der Fernakademie kennengelernt hatten und lud mich auch gleich zum nächsten Treffen ein. Ich stockte kurz. Bis jetzt hatte ich immer nur für mich geschrieben und meine Geschichten höchstens meiner Familie zum Lesen gegeben, die mich zwar mit viel Elan unterstützte, von der ich aber leider keine professionelle Hilfe erwarten konnte.

Ich war verunsichert. Waren meine Texte gut genug, um unter den kritischen Augen von Gleichgesinnten bestehen zu können? Doch andererseits konnte ich nur besser werden, wenn ich mehr als ein “Liest sich toll!” oder “Das gefällt mir!” als Antworten bekommen würde. Das zeigte mir Rolfs Kritik nur zu gut.

Also schluckte ich meine Bedenken und Zweifel hinunter und ging hin. Auf den Treppenstufen des Erich Kästner Museums in der Villa Augustin blieb ich stehen. Ich war nervös. Es rumorte in meinem Bauch. Am liebsten hätte ich mich umgedreht und wäre gegangen. Aber ich überwand meine Furcht. Zum Glück! So erhielt ich die Chance mich als Autorin zu verbessern, sowie ganz besondere Freundschaften zu schließen.

Am 1. Mai jährt sich Rolfs Todestag zum ersten Mal. Er hinterließ eine große Lücke in unserem Verein und doch glaube ich, dass wir dank seiner Unterstützung als Mentor das Potenzial und die Fähigkeiten haben, diese mit der Zeit wieder zu füllen.

Vielen Dank Rolf für alles, was du für deine Schüler, den Verein und für mich getan hast.

Ein Gedanke zu “Erinnerung an Rolf (1942 – 2015)

  1. Liebe Angela,
    gerade eben habe ich Deine Zeilen gelesen – ich bin gerührt und gleichzeitig freue ich mich, dass Du diese lieben anerkennenden Worte gefunden hast. Auch Rolf würde sich freuen, wenn er es noch könnte …
    Ich wünsche Dir bei Deinen Texten eine gute Intention, Phantasie und auf dass Dir das u.a. von Rolf vermittelte Wissen dabei helfen möge.
    Herzliche Grüße
    Brigitte Bergmann

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