Spannung liegt in der Luft. Vor Weihnachten sowieso. Als erwarteten alle ein Weihnachtswunder, wo man doch weiß: Auf dem Weihnachtsmarkt gibt es dasselbe wie in jedem Jahr. Doch zwei Literaturnerinnen hatten vor, etwas Neues zu entdecken: In Pirna im Q24 agiert das literarische Komplott, unweit des Weihnachtsmarktes. Allein schon die Bühne und das gut organisierte Drumherum samt Bar, akustischer Ausstattung und offensichtlichem Stammpublikum stimmte hoffnungsfroh.
Besonders fiel uns die ausdrucksstarke Darbietung der Texte auf. Wir erfuhren vom Lehrer Chris, woher das kommt: Es gibt eine theatererfahrene Autorin unter ihnen, mit Namen Auguste. Beim Vortrag des Textes „Ich bin die Geschichte“, bezauberte Juliana mit ihrem Schauspieltalent. Denn sie, als die verkörperte Geschichte, interagierte hervorragend mit uns als Publikum. Allein schon die gekonnt inszenierten Pausen machten fühlbar, wie sie Dramatik schaffen.
Jeder Geschichte wohnte ein Gedanke inne.
- Träumen verlernen um erwachsen zu werden
- Ausrangierte Geräte beklagen in einer Selbsthilfegruppe ihr Schicksal und den Gang der Zeit
- Ein wenig Fantasy mit Kobold Knulf und dem Leuchtmoosfest
- Spaß bereiteten die ewig langen und völlig aus der Mode gekommenen Schachtelsätze von Lara in ihrer Geschichte ‚Ich wohne hier da‘. In genauso verschachtelten Gedanken wickelte sich ihr Thema zu einem Knäuel, an dessen Ende sie das Paket eben doch nicht annehmen konnte.
Und viele mehr …
Diese Bühne lebt vom intensiven Schaffen aller. So verfassen die Autoren monatlich zwei Kurzstücke – dabei kommen nicht alle direkt ans Publikum. Dieses erscheint zahlreich und spart nicht mit Applaus. Wir haben also doch etwas entdeckt und einen Weihnachtswunsch gehegt: hier pulsiert ein munteres künstlerisches Schaffen. Es lebt nicht vom einsamen Dichten, sondern vom hautnahen Umgang mit Texten und deren Darbietung – und das regelmäßig.

