Bei ihrem jüngsten Schreibwettbewerb übten sich die Literaturner im „Ausreden erfinden“, jene vertraute Strategie, unangenehmen Situationen oder Personen zu entfliehen. Wie ergiebig dieses Thema ist, hat sich in der großen Vielfalt der entstandenen Werke niedergeschlagen. Die Literaturner präsentierten ihre Beiträge am 28. Februar 2026.
Den Anfang machte Uli, der mit Die letzte Rettung den dritten Platz erreichte. In seiner Kurzgeschichte einer von Krankheit und Heimlichtuerei gezeichneten Familie ist Verdrängung das Mittel der Wahl geworden, um schwelenden Konfrontationen aus dem Weg zu gehen. Die Zweitplatzierte, Veronika, entführte uns in ihrer ironisch-lockeren Geschichte Barbara unterm Teppich aus einer Kleingartensiedlung in die Ägäis und zurück. Humoristisch ging es auch mit dem einzigen Lyrikbeitrag der Lesung weiter: Till trug sein Gedicht Morgen vielleicht vor, das sich der Schwierigkeit widmet, einem Freund aus dem Weg zu gehen, der eigentlich keiner ist. Till wurde zum Sieger des Wettbewerbs erkoren.
Mit der Ehrung der drei Sieger sollte der Abend natürlich nicht zu Ende gehen. Nach einer Pause präsentierten vier weitere Literaturner ihre Texte. Zwei Geschichten zeigten uns, welche taktischen Ausreden im Arbeitsumfeld entstehen: Des Baristas Kinder sind in Claudias Geschichte die Ausrede eines Cafémitarbeiters, um der Arbeit aus dem Weg zu gehen. Alleinerziehender Vater ist er jedoch nur von zwei schnurrenden Vierbeinern. In Yvonnes Wenn Notlügen Wunder wirken sind Ausreden ein zweckdienliches Mittel im Konkurrenzkampf mit einem hinterlistigen Arbeitskollegen. Im Anschluss erfreute uns Ariane mit ihrer heiteren Kurzgeschichte Fastenzeit, die augenzwinkernd davon erzählt, wie schwierig es sein kann, den süßen Verlockungen zu entsagen. Zum Abschluss las schließlich Susanne, als vorherige Wettbewerbsdritte außerhalb der Wertung. Wie schon bei Claudia standen Katzen im Zentrum der Ausreden, die Ausgangslage hätte jedoch kaum unterschiedlicher sein können. So behandelt Susannes Geschichte Max den verzweifelten Versuch, jener Erklärungsnot zu entgehen, die entsteht, wenn das Herrchen den geliebten Familienkater überfährt – ein grotesker wie einprägsamer Schlusspunkt, der somit hinter den Abend gesetzt wurde.
Welche Ausrede letztendlich am überzeugendsten gewesen sein mag: Die Lesung zeigte eindrucksvoll, wie variabel ein scheinbar alltägliches Phänomen literarisch ausgelotet werden kann. Wir danken den zahlreichen Gästen für ihr Erscheinen und dem Erich-Kästner-Haus für Literatur. Wir freuten uns sehr über die rege Teilnahme und dürfen gespannt sein, was der nächste Wettbewerb bereithält.
Autor: Till Lasse Nitzschke