Kafkas Kochbuch

von Susanne Steinbrecher

Wusstet ihr, dass Franz Kafka ganze 1,81 m groß war und 61 kg wog? Dass er ein gesundes Gebiss hatte? Dass er zu Magersucht neigte? Dass er Vegetarier war und am liebsten Spinat aß? Dass er jeden Bissen 42 mal kaute, bevor er ihn hinunterschluckte und damit seinen dominanten Vater zur Weißglut brachte?

Woher stammen all diese Fakten?

Kafka kurte 1903 in Lahmanns Sanatorium in dem bekannten Bad Weißer Hirsch, damals noch eigenständig und in der Nähe Dresdens gelegen. Diese Erholungsstätte war damals eine der luxuriösesten in der Region. Die Behandlung basierte auf Naturheilkunde und reihte sich damit in die zu Beginn des 20. Jahrhunderts verbreitete Reformbewegung in allen Lebensbereichen ein.

Nach Abschluss seiner Behandlung bekam jeder Kurgast ein Kochbuch geschenkt, um die gesunden, zumeist vegetarischen Gerichte nachkochen zu können.  So auch Kafka.

Der bekannte Literaturkritiker Denis Scheck und die Ärztin Dr. Eva Gritzmann wurden eines solchen Exemplars habhaft und begaben sich sehr intensiv und sehr erfolgreich auf Spurensuche. Erneut gaben sie dieses Kochbuch heraus, erklärt und bereichert durch unsere heutigen Lebenserfahrungen.

Ich durfte am 16.5. 2026 eine heitere und kurzweilige Lesung dieses Buches erleben. Dazu reichte die Traditionsgaststätte „Trompeter“ Kostproben, die nach Originalrezepten dieses Buches zubereitet waren.

Die Lesung fand im Chinesischen Pavillon statt, einem Gebäude, das anlässlich der Dresdner Hygieneausstellung 1911 erbaut und später in unmittelbare Nähe zum Lahmannsanatorium auf den Weißen Hirsch umgesetzt wurde. Nach langem Dornröschenschlaf gelang es dem Förderverein, dieses schöne Bauwerk wieder zum Leben zu erwecken und für kulturelle Zwecke nutzbar zu machen.

Ein Besuch lohnt sich!

Susanne Steinbrecher


Autorin: Susanne Steinbrecher