Das neue Literaturnetz Dresden

von Willi Hetze

Lesedauer: 5 Minuten

Am 4. Juli 2019 lud das Kulturrathaus zum Kick-Off-Meeting für ein neues Online-Portal ein: das Literaturnetz Dresden. Die Anregungen vom „Fachtag Literatur 2018″ führen nun zu konkreten Projekten.

Die Online-Redakteurin Josefine Gottwald sprach davon, dass sie eine Verinselung der Literaturszene beobachtet habe, als sie 2014 Netzwerke aufbaute. Um einen gemeinsamen Ort des Austauschs zu schaffen, rief sie die Facebook-Gruppe „Literatur erleben in Dresden“ ins Leben. Inzwischen hat die Gruppe über 600 Mitglieder. Dazu gehören Verleger, Autoren, Veranstalter, Institutionen und natürlich Leser. Diese Gruppe könnte nun bald Teil von etwas Größerem werden.

Literaturnetz Dresden oder LitNet?

Die Literaturschaffenden erhalten vom Kulturrathaus eine spürbare Aufmerksamkeit. Das hat eine erfreuliche Dynamik im der Szene erzeugt. So leitet Odile Vassas die Arbeiten am Literaturnetz Dresden. Die Teilnehmer des Kick-Off-Meetings konnten über die Bezeichnung abstimmen und zogen die Langform der Alternative „LitNet“ vor.

Mit der Umsetzung ist Any Studio beauftragt. Die Firma mit Sitz in Berlin hat bereits die Website des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau gestaltet. Beim Kick-Off-Meeting gaben die Designer Max Edelberg und Jakob Kornelli Auskunft, was das Literaturnetz Dresden leisten soll.

Herzstück ist ein Kalender, der sämtliche Literaturveranstaltungen in Dresden beinhalten soll. Er schafft einen Überblick für Besucher und Leser. Außerdem erleichtert er den Veranstaltern, ihre Termine abzustimmen. Daneben gibt es eine Seite mit Features, auf der Autoren, Institutionen, Veranstaltungen oder Ereignisse besonders hervorgehoben werden. Eine Literaturkarte zeigt, wo die Literatur in Dresden präsent ist und informiert über die Orte und Institutionen. Auch die Akteure der Dresdner Literaturszene werden vorgestellt, um das Knüpfen von Netzwerken zu verbessern.

Wie ein aufgeschlagenes Buch

Es sei schwierig, Literatur bildlich darzustellen, so Edelberg und Kornelli. Deshalb orientiere sich der Aufbau der Website an der Erscheinungsform eines Buches. Sie ist unterteilt in zwei Doppelseiten mit viel Weißraum. Einwenden möchte man, dass die wenigsten Buchseiten tatsächlich so weiß sind wie der grafische Entwurf der Website. Er mutet noch etwas steril an. Viele Papiersorten haben hingegen einen warmen geblichen Stich.

Will man nähere Informationen, öffnet sich beim Klicken eine Detailseite wie ein Vorhang. An einem Logo arbeite man derzeit, so Projektleiterin Odile Vassas. Da Logos Zeit brauchten und reifen müssten, hofften die Anwesenden vergebens auf einen ersten Blick. Zu wünsche wäre, dass mit dem Logo auch eine ansprechende Farbmarke Eingang ins Design findet.

Im September soll bereits der Teil der Website online gehen, der die literarischen Akteure vorstellt. Die interaktiven Bereiche folgen im Oktober. Im Dezember soll die Online-Plattform vollständig umgesetzt sein. Die Anbindung an den Social-Media-Bereich könnte dann eventuell über die Facebook-Gruppe „Literatur erleben in Dresden“ erfolgen.

Der Preis der Literaturpreise

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmer in fünf Workshops über verschiedene Teilbereiche der Vernetzungsaktivitäten. So ging es u.a. um eine Lange Nacht der Literatur und die Ansprache des lesenden Nachwuchses. Eine Idee dabei: Prominente Buchbotschafter könnten auf die Literatur aufmerksam machen.

Im Bereich der Literaturförderung konzentrierte man sich auf die Zukunft der Dresdner Stadtschreiberstelle und des Dresdner Lyrikpreises. Letzterer ist für deutsche und tschechische Autoren ausgeschrieben. Daran übte man Kritik, denn ein großer Teil des Budgets werde für Übersetzungen und Reisekosten gebraucht. Vorgeschlagen wurde, den Preis zukünftig nur für Texte zu vergeben, die in deutscher Sprache geschrieben sind. Damit riskiert man jedoch einen Verlust länderübergreifender Kulturimpulse und einen wichtigen Kanal internationaler Verständigung. Ein Abbau dieser Kooperation steht auch dem Ziel des Literaturnetzes entgegen, die internationale Literatur in der Landeshauptstadt hervorzuheben.

Und so steht die Frage im Raum, was die Überfahrt von einer Literaturinsel zur anderen kosten darf. An der Notwendigkeit dieser Reise sollte gerade in Dresden nicht gezweifelt werden. Man erinnere sich an ein Zitat Immanuel Kants: „Das Reisen bildet sehr – es entwöhnt von allen Vorurteilen des Volkes, des Glaubens, der Familie, der Erziehung.“

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels wurde angedeutet, es sei nicht über die Nachwuchsförderung im Literaturbetrieb gesprochen worden. Grundlage für diesen Eindruck war die Zusammenfassung der Workshopmoderatoren, in welcher das Thema keine Erwähnung fand. Workshopteilnehmer berichteten jedoch, sie hätten diesen Punkt diskutiert. Der Artikel wurde in dieser Hinsicht korrigiert.

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