Literatur lockt – die Sommerlesenacht des Literaturforums

von Friedelbert Heidrich

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Literatur lockt auch bei regnerischem Wetter, selbst wenn es sich um eine open-air-Veranstaltung handelt, nämlich die Sommerlesenacht des Literaturforums Dresden am 13.07.19.

Himmlische Ergüsse im Lesegarten

In der Neustädter Buchhandlung „Lesezeichen“ fanden 30 Zuhörer nicht genügend Platz für die Teilnahme an einer Lesung von acht Dresdner Literaten aus der Prosa und Lyrik. So fand die Veranstaltung im malerischen LeseGarten hinter der Buchhandlung statt. Ein Stehzelt bot leidlichen Schutz vor den himmlischen Ergüssen, trübte aber nicht die Freude an den Vorträgen.

Buchhändler Jörg Scholz-Nollau wies bei der Begrüßung darauf hin, dass die Sommerlesenacht im Rahmen der Kleinprojekteförderung durch das Kulturamt der Stadt Dresden unterstützt wurde. Natürlich fehlte auch nicht der Hinweis auf ein kleines aber feines Getränke- und Knabberbuffet.

Luft und Liebe

Patrick Wilden machte den Auftakt mit einer Auswahl seiner Werke zur Tier- und Naturpoesie. Seine starken Metaphern machten menschliches Sozialverhalten besonders konturenhaft.

Patrick Beck als zweiter Literat stach dadurch hervor, dass er der Luft ihre besondere Stellung in unserem Leben einen Unterstrich gab. Die unerlässliche Atemluft aber auch der heftige urgewaltige Sturm wurden eindrucksvoll beschrieben.

Kerstin Becker wartete mit Erzählungen aus dem Buch „Brennstoff“ auf. Geschichten aus unterschiedlichen Regionen, von denen sie sich beeinflusst fühlt. Tschechien, Masuren und die Nordseeinsel Föhr. Zu letzteren schilderte sie höchst persönliche Empfindungen.

Volker Sielaff überraschte die Zuhörer mit einem Poem über den „Genuss des Alleinseins“. Persönliche Gefühle offenzulegen war Ziel seines drei Seiten langen Gedichts zum Thema: „Liebe“. Im Stehen gelesen, mit Gestik unterstützt fand alles, was er zu lieben ausgab, spontanen Beifall des Publikums.

Manuela Bibrach überzeugte das Publikum mit Kurzgedichten zu Alltagsunzulänglichkeiten. Alles, was die Stimmung vermiesen kann, fasste sie im Zyklus „Shit-Box“ zusammen. Alles, was daneben gehen kann in die Folge „Defekte“, jeweils mit Fehler-Code versehen.

Frank Norten nahm den Abend so wie er kam. Leichte Ähnlichkeiten mit Bukowski waren unüberseh- und unüberhörbar. Frivol ließ er sich über „Gebrauchte“ aus, ohne das weibliche Publikum dabei zu verletzen. Auch spottete er über den Esser an seinem Tisch, der immer unverschämter wurde. Namenlose Hunde bekamen einen Platz in seinen Texten.

Anne Seidel stellte große Ansprüche an die Zuhörer. Von tiefer Emotionalität, erwachsend aus den Hintergründen ihrer Seele, waren ihre Texte geprägt. Ihre Affinität zur französischen Sprache war zu bemerken. Demnächst erscheinen Werke von ihr auch in französisch.

Michael G. Fritz las aus seinen venezianischen Miniaturen. Eindrucksvoll die Geschichte zum Thema „Liebe und Sehnsucht“. Das schöne Wesen, dem man nicht folgen kann, löst sich auf in einen unerreichbar entfläuchenden Vogel. Von scharfer Beobachtungsgabe zeugte die Geschichte über eine Gruppe Männer, die sich erfolgreich anheischig machen, eine Ratte zu fangen.

Fazit: Es hat sich gelohnt. Das hohe Niveau der Darbietungen weckt Wünsche nach weiteren Sommerlesenächten.

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