So lautete das Thema für das diesjährige Schreibseminar der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, das am 16. und 17.10. 2026 im Klosterhof St. Afra in Meißen stattfand.
Ich empfand es als ziemlich mutig, in der heutigen Zeit derart vehement Vertrauen und Respekt einzufordern. Wir alle werden täglich mit Schreckensmeldungen konfrontiert, beginnend mit der rasanten Zunahme von Naturkatastrophen, gefolgt von schrecklichen Kriegen, die zunehmend auch unser Leben berühren, der Wortbrüchigkeit von Politikern und brutalen Machtkämpfen in und außerhalb unseres Landes bis hin zur Zerreißprobe für demokratische Strukturen. Da soll man Vertrauen wagen und Respekt aufbringen?
Gewiss, der Einzelne kann die Weltlage nicht ändern. Aber dass das Aufbringen von Vertrauen und Respekt im Kleinen, Persönlichen sehr gut funktionieren kann, zeigten die beiden Seminartage selbst.
Das begann schon Monate vor dem Seminar selbst. Wir als künftige Teilnehmer erhielten durch Frau Dr. Rehfeld – Staudt, Vertreterin der Landeszentrale, eine fast persönliche Betreuung und wurden u.a. durch Literaturempfehlungen zum Thema hingeführt. Es setzte sich beim Eintreffen in dem uns inzwischen vertraut gewordenen Klosterhof St. Afra fort. Der Respekt, den das Architekturbüro Pfau beim Ausbau der mittelalterlichen Klosteranlage entgegenbrachte, indem es ein hochmodernes Schulungszentrum konzipierte, ohne die alte Struktur zu verletzen, versetzt uns immer wieder in Staunen.
Höhepunkt war das Seminar selbst. Mit inhaltlichem Tiefgang und sprachlicher Eleganz brachte uns Frau Prof. Ilse Nagelschmidt wie bereits in den Vorjahren das Thema nahe. Der Dresdner Schriftsteller Michael Wüstefeld ergänzte durch viele Literaturbeispiele, wobei die humorige Seite nicht zu kurz kam. Am Ende stand die Gestaltungsaufgabe, das Schreiben einer Miniatur zum Thema.
Die Ergebnisse der elf Teilnehmer waren sehr unterschiedlich. Sie reichten vom Afrikaerlebnis über das Nachdenken über einen Ehekonflikt bis hin zur Tür, durch die man nicht gehen mag, weil es hinter ihr dunkel ist. Dass sich die Mehrzahl der Teilnehmer mit der DDR-Vergangenheit und der Bespitzelung durch die Staatssicherheit befasste, zeigt, wie schmerzhaft der Verlust von Vertrauen und Respekt noch nach Jahrzehnten nachwirkt.
Ob schon erfahrener Autor, Verleger oder Rentnerin, die nur für die Familie schreibt, alle Beiträge genügten einem literarischen Anspruch und hatten Tiefgang. Kritisch, ehrlich und respektvoll wurden alle Ergebnisse diskutiert.
Mit neuen Erfahrungen und Erkenntnissen – nicht nur auf dem Gebiet der Literatur – traten wir am Nachmittag des 17.10. 2026 die Heimreise an. Unser herzlicher Dank gilt Organisatoren und Referenten.
Nein, wir werden nicht die Situation in der Welt verbessern. Aber das große Ganze besteht letztendlich aus unendlich vielen winzigen Teilchen. Die Kunst, die Auseinandersetzung mit Politik und das vertrauensvolle Miteinander beim Lernen und Arbeiten sind nicht die unwichtigsten dabei.
